[Blog action day] Wie engagiert sind wir?
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Wie engagiert ist die Jugend von heute? Immer mehr junge Leute machen die Rettung des Planeten zu ihrer Sache – doch lässt sich das vergleichen mit der Generation ihrer Eltern? Zum Blog action day, der sich in diesem Jahr Umweltfragen widmet, wollen wird dieser Frage nachgehen: Wie wichtig ist politisches Engagement, auch über den Umweltschutz hinaus?
Die NGOs verzeichnen steigende Mitgliederzahlen, auch ihre Appelle, Demos, Konzerte (wie zuletzt Live Earth) finden zunehmend Akzeptanz. Im Unterschied zur 68er Generation haben die Jugendlichen von heute ein stärker ausgeprägtes Bewusstsein für die Missstände in der Welt. Sicher, so sexy wie auf der Demonstration im Mai 68, wo man sich in revolutionärer Pose fotografieren lassen kann, (wie auf dem Foto) oder im Kreis der Blumenkinder kommt man als Volontär in Afrika oder als Freiwilliger bei einer NGO meist nicht daher. Wahrscheinlich auch nicht als Teilnehmer einer Initiative wie des Blog action day, dessen Logo ich neben die Revoluzzerikone montiert habe.
Sicher, es sieht effektvoller aus, am Boulevard Saint-Michel die Polizei mit Pflastersteinen zu bewerfen, als sich um nachhaltigen Konsum zu bemühen, den Standby-Geräten den Stecker zu ziehen oder sich für das Wahlrecht ausländischer Mitbürger einzusetzen. Ganz zu schweigen von den täglichen kleinen Gesten des Protests gegen ein überkommenes gesellschaftliches System. Aber ich denke hier - in einer anderen Dimension - auch an die verschiedenen zivilgesellschaftlichen Initiativen für eine föderale (Neu-)Ordnung Europas. Oder an Erasmus, mit dem wir den Alten Kontinent zu einem toleranten und offenen Miteinander umbauen.
Weil ich nicht glaube, dass wir die Generation X sind, die an nichts mehr außer an sich selber glaubt. Die Generation vor uns mag stärker politisiert gewesen sein als wir, was aber nicht heißt, dass sie auch engagierter war.
Postscriptum (zur Politisierung): Auf meinem Nachttisch liegt Cuori neri,
ein Band von Luca Telese über die sogenannten „schwarzen“ Toten der bleiernen
Jahre. Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger Jahre fielen allein
in Rom über hundert Menschen dem erbitterten Kampf
zwischen faschistischen und kommunistischen Fanatikern zum Opfer. Eines
der am meisten umkämpften Gebiete ist das Viertel Trieste-Salario, in
dem ich drei Jahre lang studiert habe. Wenn ich zurückdenke an die
Abende gegenüber der Gelateria an der Piazza Trieste (und an
unvergeßlichen Geschmack von Schokoladeneis mit Orangenstückchen),
erinnere ich mich auch an die Parole an der Wand über der Gelateria:
„Paolo vive“ ('Paolo lebt') stand da, und dahinter ein Hakenkreuz. Jetzt
erst begreife ich: „Paolo“ war „Paolo Di Nella“, ein militanter
Faschist und Umweltschützer (!), der hier am 9. Februar 1983 brutal
erschossen wurde, als er Plakate klebte für die Erneuerung eines
Stadtparks. Diese Zeit der extremen Politisierung und des brutalen
Terrors ist heute vorbei. Nur diese Parole stand noch da, als ich 2000
mit Nicola dell‘Arciprete dort saß und überlegte, wie wir mit einem
gemeinsamen europäischen Medium die italienische Öffentlichkeit unserer
Generation aus dem Dornröschenschlaf wecken könnten. Was daraus
geworden ist, lest ihr hier. Auch Schreiben kann Engagement bedeuten.

Comments
hola
mag sein, dass wir heute engagierter sind, als die 68er generation. mag sein, dass es damals vor allem stil hatte, sich gegen herrschende politik- und gesellschafts-verhältnisse aufzulehnen und nicht so sehr darum ging, sich um konstruktive, sinnvolle verbesserungsvorschläge zu bemühen. aber trotzdem denke ich, dass wir die leistung, die die damalige junge generation vollbracht hat, nicht unterschätzen dürfen. denn es war ein ganz neues bewusstsein, dass die jungen menschen damals erschaffen haben: das bewusstsein, dass man selber möglichkeiten hat, an hersschenden zuständen etwas zu ändern, sich gegen eben jene zustände zu erheben und zu sagen, nein, so nicht, wir sind der meinung, man muss es anders (und besser) machen. Nur weil damals vielleicht nicht von allen die richtigen mittel gewählt worden sind, ist es, glaube ich, nicht zu bestreiten, dass ohne die damaligen geschehnisse eine auseinandersetzung mit der politik, wie wir sie als junge menschen heute betreiben, nicht möglich wäre. denn wir haben aus den fehlern der vorangegangenen generation gelernt. wären diese fehler nicht damals gemacht worden, so will ich mir nicht anmaßen, zu behaupten, wir hätten diese fehler nich aus unwissen heute genauso gemacht.
ich will damals in keiner weise verharmlosen, was damals geschehen ist, ich will auch nicht bestreiten, dass die damaligen taten (steine werfen etc.) sehr schlimm und in keinerlei weise nützlich waren. heute muss ich jedoch, wie gesagt, die befürchtung äußern, dass wir ohne das wissen um die damals begangenen übeltaten, wohl genauso handeln würden.