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Das Europa einer neuen Generation

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Politics { Keyword }

06

11

2007

Hillary, Ségolène und Veltroni

Seit letztem Dienstag gehört auch Hillary Clinton zum Club der ‚Para-Politiker‘, wie sie in Europa bereits etabliert sind: Eine der zur Zeit brisantesten Fragen für Amerika, nämlich nach den Rechten der Einwanderer, hat sie mit einem souveränen „ja, nein, vielleicht“ beantwortet. Der Gouverneur von New York hatte vorgeschlagen, auch den Einwanderen ohne Aufenthaltserlaubnis den Führerschein auszustellen, was ihm erhebliche Kritik von Seiten der Republikaner einbrachte. Im Rahmen einer Diskussion mit den drei Kandidaten für die Vorwahlen antwortete Hillary zunächst, sie könne diese Entscheidung Eliot Spitzers „nachvollziehen“. Dann, sichtlich in Bedrängnis geraten, betonte sie, sie habe sich jedoch nicht damit einverstanden erklärt. Schließlich versuchte sie auch das wieder auszubügeln und stellte fest, die Idee es sei doch nicht so schlecht. Dieses Hin und Her erinnert an Ségolène Royal während ihres Wahlkampfes. Die Kandidatin der Sozialisten hatte sich in entscheidenden Fragen, wie etwa der nach dem EU-Beitritt der Türkei, ebenfalls viel zu unentschlossen gezeigt. Zuerst votierte sie für ein Referendum in Frankreich und dann machte sie keine eindeutigen Aussagen. Kürzlich geriet auch Walter Veltroni, der neugewählte Vorsitzende der neuen Demokratischen Partei in Italien, in die Schusslinie einer Satire (von Crozza, siehe Video), weil er sich nicht entscheiden könne. Hillary, Séglène, Walter: Mit ‚Para-Politik‘ gewinnt man vielleicht die Vorwahlen, wie in Frankreich und in Italien, aber um den echten Wahlkampf für sich zu entscheiden, reicht das nicht. Leider wird Madame Royal das Hillary nicht erklären können, denn die Senatorin von New York hat ein Treffen mit der Sarkozy-Herausforderin abgelehnt – sie sei „too radical“.

16

10

2007

[Blog action day] Wie engagiert sind wir?



Wie engagiert ist die Jugend von heute? Immer mehr junge Leute machen die Rettung des Planeten zu ihrer Sache – doch lässt sich das vergleichen mit der Generation ihrer Eltern? Zum Blog action day, der sich in diesem Jahr Umweltfragen widmet, wollen wird dieser Frage nachgehen: Wie wichtig ist politisches Engagement, auch über den Umweltschutz hinaus?

Die NGOs verzeichnen steigende Mitgliederzahlen, auch ihre Appelle, Demos, Konzerte (wie zuletzt Live Earth) finden zunehmend Akzeptanz. Im Unterschied zur 68er Generation haben die Jugendlichen von heute ein stärker ausgeprägtes Bewusstsein für die Missstände in der Welt. Sicher, so sexy wie auf der Demonstration im Mai 68, wo man sich in revolutionärer Pose fotografieren lassen kann, (wie auf dem Foto) oder im Kreis der Blumenkinder kommt man als Volontär in Afrika oder als Freiwilliger bei einer NGO meist nicht daher. Wahrscheinlich auch nicht als Teilnehmer einer Initiative wie des Blog action day, dessen Logo ich neben die Revoluzzerikone montiert habe.

Sicher, es sieht effektvoller aus, am Boulevard Saint-Michel die Polizei mit Pflastersteinen zu bewerfen, als sich um nachhaltigen Konsum zu bemühen, den Standby-Geräten den Stecker zu ziehen oder sich für das Wahlrecht ausländischer Mitbürger einzusetzen. Ganz zu schweigen von den täglichen kleinen Gesten des Protests gegen ein überkommenes gesellschaftliches System. Aber ich denke hier - in einer anderen Dimension - auch an die verschiedenen zivilgesellschaftlichen Initiativen für eine föderale (Neu-)Ordnung Europas. Oder an Erasmus, mit dem wir den Alten Kontinent zu einem toleranten und offenen Miteinander umbauen.

Weil ich nicht glaube, dass wir die Generation X sind, die an nichts mehr außer an sich selber glaubt. Die Generation vor uns mag stärker politisiert gewesen sein als wir, was aber nicht heißt, dass sie auch engagierter war.


Postscriptum (zur Politisierung): Auf meinem Nachttisch liegt Cuori neri, ein Band von Luca Telese über die sogenannten „schwarzen“ Toten der bleiernen Jahre. Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger Jahre fielen allein in Rom über hundert Menschen dem erbitterten Kampf zwischen faschistischen und kommunistischen Fanatikern zum Opfer. Eines der am meisten umkämpften Gebiete ist das Viertel Trieste-Salario, in dem ich drei Jahre lang studiert habe. Wenn ich zurückdenke an die Abende gegenüber der Gelateria an der Piazza Trieste (und an unvergeßlichen Geschmack von Schokoladeneis mit Orangenstückchen), erinnere ich mich auch an die Parole an der Wand über der Gelateria: „Paolo vive“ ('Paolo lebt') stand da, und dahinter ein Hakenkreuz. Jetzt erst begreife ich: „Paolo“ war „Paolo Di Nella“, ein militanter Faschist und Umweltschützer (!), der hier am 9. Februar 1983 brutal erschossen wurde, als er Plakate klebte für die Erneuerung eines Stadtparks. Diese Zeit der extremen Politisierung und des brutalen Terrors ist heute vorbei. Nur diese Parole stand noch da, als ich 2000 mit Nicola dell‘Arciprete dort saß und überlegte, wie wir mit einem gemeinsamen europäischen Medium die italienische Öffentlichkeit unserer Generation aus dem Dornröschenschlaf wecken könnten. Was daraus geworden ist, lest ihr hier. Auch Schreiben kann Engagement bedeuten.