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Das Europa einer neuen Generation

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European Union { Keyword }

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2007

Einfach ausgeschnitten: Die Türkei auf dem Euro

Gehört die Türkei nun zu Europa oder nicht? Diesmal haben die üblichen, meistens eher inhaltsleeren philosophisch-geographischen Debatten innerhalb der europäischen Instititionen immerhin zwei pdf-Dokumente produziert. Darin: ein neues Gesicht für den Euro.

Auf der einen Seite der Entwurf der Europäischen Kommission, die vorschlägt, die Türkei inklusive Anatoliens in die Europakarte einzugliedern (rechts). Auf der anderen der Vorschlag des Rates der europäischen Union, in dem die einzelnen Staaten repräsentiert sind und der das Land ganz diskret ‚unter den Tisch‘ fallen lässt (links). Wer das nicht glaubt, findet im Anhang die entsprechenden Dokumente.

Angestoßen haben die Kontroverse zwei Europaabgeordnete der Radicali Italiani, Marco Cappato und Marco Pannella, mit ihrem Antrag, antitürkische Münzen aus dem Verkehr zu ziehen. Denn auf den Euros aus den ersten Mitgliedsstaaten der EU, die wir alle in unseren Geldbeuteln haben, ist ein kleines Stück Türkei zu sehen. Auf den Münzen, die z.B. in Slovenien im Umlauf sind, das seit dem 1. Januar zu Euroland gehört, ist die Türkei hingegen verschwunden. Auf Veranlassung des Rates. Nun fordern die Radicali, diese 31 Milliarden Münzen umgehend auszutauschen. Ein kühner Plan ...

Aber, wenn wir mal vom Europa auf der Münze absehen, was sollen wir vom geplanten EU-Beitritt der Türkei halten? Noch ist nichts entschieden, die Verhandlungen gehen weiter und auch in den Foren von cafebabel.com wird heiß diskutiert. Ich kann nur sagen, dass ich während meines Erasmusjahres einen netten Jungen aus Istanbul kennengelernt habe, Dogan Mert, den ich hier grüße und von dem ich nicht behaupten könnte, dass mir seine Kultur fremder erschienen sei als zum Beispiel die deutsche oder die schwedische. Um ehrlich zu sein, er kam mir fast ein bisschen neapolitanisch vor...

Da sieht man es wieder, wie schon bei Erri De Luca zu lesen war: Die mediterrane Identität ist doch stärker als jede andere. Aber das ist ja wohl ein anderes Thema... oder?

04

10

2007

Die Post-Erasmus-Depression

Wieder ist September. Reisezeit für die 400.000 europäischen Studenten, die für ein Erasmusjahr in einer von Hunderten Universitätsstädten ihre Zelte aufschlagen werden. Gleichzeitig ist es aber auch die triste Zeit der Rückkehr (zur Routine) für die etwa 350.000, die mit dem vergangenen Studienjahr unvergleichliche Erfahrungen gemacht haben, die meistens ihr Leben verändern werden. Zumindest für ein weiteres Jahr (oder ein Semester). Denn nun heißt es, die alten Gewohnheiten wieder aufzunehmen und dann ist sie da, die ‚Post-Erasmus-Depression‘.

Gibt man den Ausdruck bei Google ein, erscheint keine einzige psychologische Seite (nicht einmal eine pseudopsychologische). Dafür bin ich bei der Suche auf die intelligente Diplomarbeit von Fiorella de Nicola gestoßen, Die Antropologie des Erasmusprogramms. Wie es der Zufall will, stammt Fiorella – die ihr Erasmusjahr 2004/05 in Alicante verbracht hat – aus demselben Ort wie ich, aus Cava de‘ Tirreni. (Ich habe mir einn Spaß erlaubt und die beiden Städte zu einer Collage zusammengefügt. So schön die unsere ist, aber ob Fiorella dieselben Erkenntnisse gewonnen hätte, wenn sie nach Helsinki gefahren wäre?)

Foto: Pedro Prats Michael Khoo/Flickr.com

In jedem Fall gelingt ihr ein äußerst scharfsinniges Bild des Seelenlebens der Erasmusstudenten in den letzten Tagen ihres Aufenthalts:

 „Noch wissen sie nicht, dass sie zuhause das ‚Post-Erasmus-Syndrom‘ erwartet. Wie grässlich ihnen alles erscheinen wird, die Stadt eiskalt (oder unerträglich heiß), die Universität unglaublich langweilig, das Fernsehprogramm unendlich öde, die Freunde stessig – es steht ihnen eine Riesendepression bevor, von den Ausmaßen eines Hochhauses in Kuala Lumpur. Alles, was nicht Erasmus ist, erregt ihre Abscheu. So erleben es alle, wenngleich in unterschiedlicher Intensität und Dauer. Und da ein Syndrom einen Übergangszustand bezeichnet, kann, besser: muss dieser sogar eine Weile andauern. Aber genauso muss er auch sein Ende haben, um nicht in Melancholie überzugehen.“

Überzeugend ist auch, was sie über den veränderten Begriff von Identität schreibt:

„Alles in allem handelt es sich um eine Erfahrung der ‚Entfremdung‘, der Heimatlosigkeit. Und dies nicht, weil wir keine Heimat hätten (so pathetisch das klingen mag). Sondern weil es nunmehr zwei Heimaten sind – oder zumindest mehr als eine: unsere eigentliche, in der wir geboren und aufgewachsen sind. Und die, die uns für ein oder zwei Semester ‚adoptiert‘ hat und die auch die Heimat unserer Freunde ist: Deutsche, Franzosen, Portugiesen, Mexikaner, Engländer, Skandinaven, Amerikaner, Kanadier – in Alicante hatten wir unser gemeinsames Zuhause. Und so sind auch, auf eine sonderbare Weise, ihre Heimat, ihre Kultur und ihre Freunde zu einem Teil unserer selbst geworden. Das Gerede von europäischer Identität ist also nicht nur Gerede.“

Ist da was dran? Und wie kommt man aus der ‚Post-Erasmus-Depression‘ wieder heraus? Das ist eine Frage für Eurogeneration. Die Diskussion ist eröffnet.