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Das Europa einer neuen Generation

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Eurogeneration in Amerika

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Saturday, December 15 2007

Depression in Italien? Die New York Times hat recht

Natürlich hat unser besonders "n(e)apolitanischer" Präsident - Giorgio Napolitano - bei seinem Amerikabesuch versucht, das düstere Bild, das die New York Times von seinem Bel Paese gezeichnet hatte, ein wenig aufzubessern. "Italien ist ein starkes Land, auf das man auf jeden Fall zählen kann. Man muss vielleicht nicht übermäßig optimistisch sein - aber, was die New York Times in ihrem Artikel verbreitet, ist reine Sensationshascherei."

Was behauptet denn die New York Times? Zumindest hat sie nichts dazu erfunden: Dass Italien über kurz oder lang von Spanien überholt wird, was das Bruttoinlandsprodukt angeht. Dass 11% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze lebt. Dass die beiden Enthüllungsbücher, La Casta und Gomorrha (siehe unser Interview mit Roberto Saviano), ein zutreffendes Bild der aktuellen Misstände zeichnen. Und dass die Italiener in ganz Westeuropa das unzufriedenste Land sind, wie eine Erhebung der Universität Cambridge bestätigt - durchgeführt hat sie ein Italienerin, Luisa Corrado.

Daneben spricht das Blatt vom Times Square (auf dem Foto ein Blick in das Büro von David Mc Craw, einem der stellvertretenden Chefs) ein Thema an, das speziell die Eurogeneration betrifft: Es gibt ganz klare Generationenunterschiede. Im Artikel wird der Blogger Mario Adinolfi zitiert: "Hier in Italien wäre es undenkbar, dass ein paar Dreißigjährige in einer Garage ein Projekt wie Google aufziehen." Dabei müssen wir Adinolfi korrigieren: Larry Page und Sergei Brin waren gerade mal um die Zwanzig, als sie die erste Suchmaschine der Welt aus der Taufe hoben. Und es sind gerade die Jungen - "die gut ausgebildeten, die viel reisen und sich im Internet auskennen" - die den Wechsel einleiten könnten, von dem der Autor des Artikels spricht, "aber nur, wenn sie die Generation, die heute an der Macht ist, ablösen." Viele von diesen jungen Leuten verlassen aber - immer noch - lieber gleich das Land. Da sollte Napolitano der Realität ins Auge sehen: Italien entwickelt sich mehr zurück als nach vorn. Die Umfragewerte, die der Corriere della Sera veröffentlicht hat, bestätigen das: Über 90% der Italiener stimmen dem Bericht aus den New York Times zu. Reine Sensationshascherei, sagt der Präsident dazu.


Tuesday, November 27 2007

EXKLUSIV: Meru, die Second-Life-Alternative mit europäischem Kennzeichen

In Italien bist du als Student spätestens mit 27 Jahren jenseits von Gut und Böse. Vladlen Koltun hat schon mit 21 seinen Phd gemacht und lehrt seit drei Jahren Computer Science in Stanford, der "Studierstube" von Silicon Valley, in der auch die Gründer von Google und You Tube die Schulbank gedrückt haben.

Vladlen empfängt uns in seinem Büro auf dem Campus. Zur Zeit arbeitet er an einem Projekt, das sich schlichtweg revolutionär anhört: einem „Second-Life-Killer“, d.h. dem Gegenentwurf zu Second Life, jener virtuellen Community, die aktuell nicht nur mediale Aufmerksamkeit, sondern auch jede Menge Geschäfte anzieht. „Second Life hat ein echtes Problem mit der Skalierung, zu viele gleichzeitige Logins verträgt es nicht. Außerdem ist es nicht sonderlich sicher: Du kannst leicht Unterhaltungen mithören oder in Bereiche vordringen, zu denen du keinen Zugang hast. Mit unserem Projekt werden diese Probleme dann alle Vergangenheit sein.“ Diese Idee der Stabilität suggeriert auch der Name des Projekts: Meru meint im Buddhismus das Rückgrat der Welt, das, was alles zusammenhält.

Prof. Koltun (links - das Foto stammt von der Website, die die Stanforder Forschungsgruppe vorstellt) leitet das Projekt, das von der National Science Foundation und der Alfred P. Sloan Foundation unterstützt werden. Seit Januar 2007 ist eine Virtual World Group am Werk, ein multinationales Team von neun Forschern; sie kommen aus Indien, China und den USA. Und Vladlen? Seine Muttersprache ist Russisch, daneben spricht er fließend Englisch und Hebräisch. „Ich komme aus der Ukraine, die, als ich geboren wurde, noch zur UdSSR gehörte – ein Land und eine Kultur, die verschwunden sind. Deshalb sage ich noch manchmal, ich fühle mich mehr Sowjetbürger als Ukrainer....“ Er lacht: „Nein, im Ernst: Wenn ich mich irgend "etwas fühlen" soll, dann muss ich zugeben: Ich fühle mich als Europäer. Der Alte Kontinent ist für mich viel mehr Heimat als die USA, in denen es praktisch keine ästhetische Tradition gibt. Wenn ich mich hier umschaue, sehe ich nichts, was wirklich schön und liebenswert wäre."

Wahrscheinlich hat es auch damit zu tun, dass Vladlen jetzt an einer "Alternativ-Welt" arbeitet, an seiner virtuellen Realität. Eine erste Version von Meru soll Ende 2008 abgeschlossen sein. „Aber wir müssen aufpassen: Ähnliche Ideen gibt es bereits in dem Roman Snow Crash von Neal Stephenson, der von bestimmten Computerspielen erzählt, mit denen sich die Welt verändern lässt.“ Die wirkliche Welt scheint Vladlen hingegen nicht so sehr zu interessieren: Aus seinem Projekt ein Geschäft zu machen, daran hat er noch nicht gedacht. „Auch das Internet war am Anfang nicht kommerziell gedacht. Und seine ersten Schritte hat es auch hier gemacht, in Stanford, mit dem Projekt Arpanet.“ Wie es damit weiterging, ist ja allgemein bekannt. Kein schlechter Anfang also für den jungen "Sowjetbürger"...

Monday, November 26 2007

Post-Amerika-Syndrom

So, jetzt bin ich also zurück in Paris – die Reise hat Nachwirkungen, allen voran die Zeitverschiebung, aber auch eine Menge neuer Ideen und Eindrücke, die mir im Kopf umher schwirren. Jedenfalls bin ich froh, wieder da zu sein, bei meiner Liebsten und in meinem Büro bei cafebabel.com. Und trotzdem ...

... trotzdem muss ich zugeben, dass mich diese Erfahrung mit stars and stripes stärker geprägt hat als ich erwartet hatte. Das mag für meine Freunde und Kollegen nicht immer angenehm sein... „Hör‘ mir auf mit deinen Amerikageschichten“, hat Prune, meine Kollegin von Eurotik (gibt es mittlerweile auch in English und auf Deutsch), gestern zu mir gesagt.

Aber trotz allem, liebe Babelianer, die ihr mich „On the road 2.0“ begleitet habt, trotz allem fühle ich mich ein bisschen wie nach der Rückkehr aus dem Erasmusjahr. Vielleicht würde eine Psychoanalyse bei Dr. Allanic helfen, von dem Prune erzählt. Oder eine Therapie bei Fiorella. Na ja, so schlimm ist es nicht ...

Statt dessen gibt‘s hier die Berichte der New York-Etappe, von der ich noch nicht viel berichtet habe.


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Im Big Apple habe ich auch Jay Rosen, den Guru des "crowd-sourcing journalism" getroffen: hier gibt's den Bericht.

Monday, November 19 2007

USA: I like, I dislike

Das Land ist so reich und bunt, dass es fast eine exposive Mischung ergibt. Dabei ist es stolz auf das, was es hat und ist und mit einer eisernen, aber modernen Verfassung zu erhalten sucht. Zugleich birgt es Widersprüche, zum Teil brutalster Art. Dennoch verspricht es Herausforderungen, Abenteuer und hinterlässt dem Besucher Fragen, viele Fragen. Das sind die Vereinigten Staaten, wie ich sie gesehen habe. Was mir gut und weniger gut gefallen hat, habe ich hier in einer (nicht ganz ernst gemeinten) Galerie zusammengestellt.


I like

Die Washingtoner U-Bahn: elegant.

 

 

 

 
 

 

Die Tiere in der Stadt: lustig.

 

 

 

 

 

 



Multikulti: wenn alles zusammen passt.

 







                                                                       

Die Fahne: ziemlich rockig.

 

 

 

 

 

 




Offline Werbung für Webseiten: zeitgemäß.

 

 

 


 

 


I dislike

Die New Yorker U-Bahn: eng, schmutzig, "bäh!".

 

 


 

 

                                                               

Kaffee bei Starbucks:
"Roast" soll italienisch sein?

 

 

 

 

 




 

Die Ratten überall: auch in New York ein großes Problem.

 

 

 

 

 

                                                              

Den Countdown an der Ampel: unerträglich. (Genauso die Autos mit Automatikschaltung - jedesmal eine Vollbremsung)

 

 

 

 


 






Unze, Gallone, Meile...: grrrr. Auf dem Foto die Messbecherchen, die Giusy zum Kochen benutzt.

 

 

 

 

 

Was meint ihr? Bin ich zu provinziell? Wie sehen eure amerikanischen Erfahrungen aus?

Friday, November 16 2007

Im Herzen von Wikipedia und weitere News aus Florida

Ich verlasse Tampa in Florida: bereichert durch viele neue außergewöhnliche Erfahrungen.

Wikipedia – eine großartige Sache und das als no-profit-Organisation! Am Freitag traf ich Sandy Ordonez, die Pressesprecherin der Wikimedia Foundation. Von ihr erfahre ich viel Neues über diese beeindruckende Organisation, die die allseits bekannten Webseite Wikipedia verwaltet.

Das muss man sich erst vorstellen: Mit nur zwölf Angestellten verfügen sie über einen Betrag von etwa 1,5 Millionen Dollar, das auch Dank einer Reihe von Individualspenden von im Schnitt 25$. Wie machen die das? Die Grundidee ist so einfach wie universell: Wissen soll jedem und kostenfrei zur Verfügung stehen. Um das zu gewährleisten, sind die freien Mitarbeiter von Wikipedia an jeder Phase des Projekts beteiligt. „Jede einzelne Pressemitteilung, die wir herausgeben“, erklärt Sandy, „wird zuerst in einer Gruppe von fünfzig ausgewählten Mitgliedern von Wikipedia abgestimmt“. Das würde ich mir für cafebabel.com auch so wünschen! „Es ist nicht einfach, immer das richtige Gleichgewicht zu finden zwischen Kompromissbereitschaft und der Notwendigkeit, eine Entscheidung zu treffen.“

Im Eingangsbereich der Wikimedia Foundation: das Büro hat etwa 100 m2, vorne eine Karte mit allen Wikipedia-Logos. Im Januar 2008 wird die Stiftung nach San Francisco umziehen. In der Bucht von Tampa hat auch die Wikia ihren Sitz, die Gesellschaft von Jimmy Wales, dem Gründer von Wikipedia.

 

„Links unsere Fundraising-Strategie. Da hat Wikipedia gerade eine neue Kampagne gestartet. Rechts: Fanpost aus der ganzen Welt.“


St. Petersburg Times – wenn Qualitätsjournalismus in der Lokalpresse beginnt. Hier habe ich Bill Duryea getroffen (links auf dem Foto mit einem Zuckertütchen von cafebabel.com in der Hand). Er ist Redakteur und hat mir ausführlich die Geschichte einer der beliebtesten Lokalzeitungen der Vereinigten Staaten erzählt (siehe auch den Bericht von den New York Times). Die St. Petersburg Times stützt sich auf ein ausgeklügeltes Geschäftsmodell: Zuletzt hat sie eine kostenlose Tageszeitung für Jugendliche und eine Zeitschrift mit Gesundheitstipps für Frauen herausgebracht. Dabei verdankt sie ihr hohes Niveau ihrer besonderen Gewichtung der Lokalnachrichten aus Florida ebenso wie der nationalen und internationalen News.


Poynter Institute – die Kaderschmiede für Nachwuchsjournalisten. Das Poynter ist eine sehr rennomierte Einrichtung, die Ausbildungsmöglichkeiten für Journalisten bietet und sie dabei interessante Recherchen anstellen lässt (siehe dazu die Studie über die Leserperspektiven). Ich habe mich hier mit Bill Mitchell, dem Redakteur von Poynter on-line, und Howard Finberg, dem Redakteur von Newsu.org, unterhalten. Während die eine Webseite aufschlussreiche Diskussionen und Anaysen zum Journalismus sowie Stellenangebote im Bereich der Medien bietet, kann man auf der anderen an einem prima Online-Training für Jungjournalisten teilnehmen. Kostenlos und sehr nützlich.

Noch eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte: morgen muss ich um fünf Uhr aufstehen. Dafür gibts zwei gute: Heute abend war ich bei Giusy eingeladen. Sie stammt aus Sizilien, hat aber auch in Neapel gelebt und hat mich zusammen mit ihrem amerikanischen Freund Chris zu einem after dinner mit kalter Schokolade und Abbracci, einem „Andenken an Italien“ eingeladen (siehe das Foto von Chris). Außerdem fliege ich morgen nach NYC zum letzten Etappenziel meiner USA-Reise. Ich bin völlig erledigt, aber trotzdem sehr froh, dieses fantastische Abenteuer erleben und mit euch teilen zu können. Ihr dürft mir also viel Glück für die letzte Runde wünschen!

Tuesday, November 13 2007

Und in Oakland fragt man sich schon: „Gibt es Italien eigentlich noch?“

Am 6. November kurz vor halb acht Uhr abends in der Oracle Arena, Oakland, Kalifornien. Gleich beginnt das NBA-Spiel der Golden State Warriors gegen die Cleveland Cavaliers. Ich stehe noch in der Schlange und warte auf etwas, das man hier „Pizza“ nennt. Als ich mit Travelers Cheques bezahlen will, ruft die Bedienung (die mindestens schon achtzig ist) den Chef. Er will meinen Pass sehen.


- Italien? Das ist noch ein eigenes Land?

- Natürlich. Wie kommen Sie darauf?

- Na, ich dachte, jetzt mit dem Euro ist in Europa alles eins.

- Soweit sind wir noch nicht. Aber auf jedem Pass steht, wie hier ganz oben, „Europäische Union“.

- Das heißt, das ist jetzt so ähnlich wie in den Vereinigten Staaten, oder nicht? Das wurde ja auch Zeit ...

- Na ja, aber nur so ähnlich ...


Und bis es soweit ist, wird wohl doch noch eine ganze Weile dauern.


Aber wenn sogar die Pizzabäcker in Oakland sehen, dass Europa zusammenwächst, dann heißt das doch, dass sich etwas tut. Das ist ermutigend. Allerdings ist die gute Laune dann wieder verflogen, weil die Warriors auch das vierte Spiel in Folge verloren und sich langsam im Tabellenkeller einrichten. Vielleicht auch, weil Marco Belinelli, der Spieler aus Italien, pardon: aus der EU, nicht gespielt hat ...

Thursday, November 8 2007

On the road 2.0 - meine Reise mit google maps

Hier ein Versuch von mapping journalism mit Kurzberichten über die interessantesten Begegnungen in Washington und in San Francisco. Wie findet ihr das? Wenn euch das gefällt, werde ich die Karte weiterhin aktualisieren. Als nächstes geht es nach Tampa und nach New York.

Mit "View larger map" lässt sich das Bild vergrößern.


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Wednesday, November 7 2007

Eine Lektion für die Antiamerikaner

Versuchen wir mal, einige Vorurteile gegen die USA zu widerlegen:



1. Die USA tun nichts für die Umwelt.
Als wir gestern von Berkeley zurückfuhren, durften wir eine eigene Spur benutzen – durch die Raute gekennzeichnet –, weil wir zu zweit im Wagen saßen.



2. Es gibt kaum politische Diskussion.
Ich möchte wissen, in welchem Land die Zeitschriftenauslage so reichhaltig mit Publikationen zu politischen und internationalen Themen ausgestattet ist.



3. Die Amerikaner interessieren sich nicht für den Rest der Welt.
Dann schaut euch mal Global Voices an: Das Beste aus der weltweiten Blogsphäre in mehreren Sprachen. Hier sitze ich mit David Sasaki, der einer der aktivsten Blogger ist.

Tuesday, November 6 2007

Hillary, Ségolène und Veltroni

Seit letztem Dienstag gehört auch Hillary Clinton zum Club der ‚Para-Politiker‘, wie sie in Europa bereits etabliert sind: Eine der zur Zeit brisantesten Fragen für Amerika, nämlich nach den Rechten der Einwanderer, hat sie mit einem souveränen „ja, nein, vielleicht“ beantwortet. Der Gouverneur von New York hatte vorgeschlagen, auch den Einwanderen ohne Aufenthaltserlaubnis den Führerschein auszustellen, was ihm erhebliche Kritik von Seiten der Republikaner einbrachte. Im Rahmen einer Diskussion mit den drei Kandidaten für die Vorwahlen antwortete Hillary zunächst, sie könne diese Entscheidung Eliot Spitzers „nachvollziehen“. Dann, sichtlich in Bedrängnis geraten, betonte sie, sie habe sich jedoch nicht damit einverstanden erklärt. Schließlich versuchte sie auch das wieder auszubügeln und stellte fest, die Idee es sei doch nicht so schlecht. Dieses Hin und Her erinnert an Ségolène Royal während ihres Wahlkampfes. Die Kandidatin der Sozialisten hatte sich in entscheidenden Fragen, wie etwa der nach dem EU-Beitritt der Türkei, ebenfalls viel zu unentschlossen gezeigt. Zuerst votierte sie für ein Referendum in Frankreich und dann machte sie keine eindeutigen Aussagen. Kürzlich geriet auch Walter Veltroni, der neugewählte Vorsitzende der neuen Demokratischen Partei in Italien, in die Schusslinie einer Satire (von Crozza, siehe Video), weil er sich nicht entscheiden könne. Hillary, Séglène, Walter: Mit ‚Para-Politik‘ gewinnt man vielleicht die Vorwahlen, wie in Frankreich und in Italien, aber um den echten Wahlkampf für sich zu entscheiden, reicht das nicht. Leider wird Madame Royal das Hillary nicht erklären können, denn die Senatorin von New York hat ein Treffen mit der Sarkozy-Herausforderin abgelehnt – sie sei „too radical“.

Sunday, November 4 2007

Das Geheimnis von Silicon Valley

In Stanford, im Herzen von Silicon Valley, riecht es nach frisch gemähter Wiese. In diesem Mikrokosmos von 10.000 Menschen, einer richtigen kleinen Stadt mit Geschäften, Pizzerien, Erste Hilfe und Feuerwehr, ist auch das im pseudomittelalterlichen Stil erbaute Kloster mit WLAN ausgestattet: Alles atmet hier den Unternehmergeist der Standford University. Denn das Geheimnis dieses Tempels des Wissens, der schon in den sechziger Jahren Arpanet hervorgebracht, den Vorfahren des Internets, und seit den Neunzigern u.a. die Gründer von Google und You Tube ausgebildet hat, liegt in der engen Verflechtung mit den Unternehmen. Es reicht, eine Runde über den Campus zu drehen: Am schwarzen Brett finden wir Aushänge wie „Google sucht Programmierer“ und die Computerlabors sind von Intel oder Hewlett-Packard gesponsert.

Kein Vergleich zu Europa, wo sich die Zusammenarbeit von Universitäten und Unternehmen auf so genannte Orientierungsangebote beschränkt. Vielleicht mal ein un- oder unterbezahltes Praktikum, aber der Rest ist Vetternwirtschaft. Dabei ist das hier in Kalifornien kein Altruismus: Die Unternehmen investieren in Ideen und Visionen – selbst wenn das bei Projekten, die nicht unbedingt auf Gewinn ausgerichtet sind, ein gewisses Risiko bedeutet. Was zählt, ist die Idee: Das Geschäft kommt später. Auch Google ist ohne eigenes Geschäftsmodell gestartet. Und genauso probiert es jetzt ein Team unter europäischer Leitung, das an einem (noch!) geheimen Projekt arbeitet. Hier versteht man, warum die besten Köpfe abwandern – zu groß ist die Versuchung für viele Franzosen, Russen, Italiener, mit denen ich hier gesprochen habe.

Zurück in San Francisco, das mit Stanford und auch Palo Alto oder Mountain View (der Sitz von Google) über das legendäre Cable Car verbunden ist. In dieser Stadt ist es nicht nur die Erde, die häufig bebt – die Energie, die diese ehemalige Ikone der Hippiekultur mit ihren unkonventionellen Ideen antreibt, zeigt uns vor allem eines: dass hier der Fortschritt gedacht und gemacht wird.


Fotos: Mein Reiseführer und ich vor einem atemberaubenden Panorama. Unten eine Harley im Latinoviertel Mission District in San Francisco.

Friday, November 2 2007

Auf dem Lehrplan der American University: cafebabel.com

Erster Programmpunkt: Ein Treffen an der American University mit Professor Shalini Venturelli, die aus Lucca in Italien stammt und hier die Abteilung für Internationale Kommunikation leitet. Wir unterhalten uns kurz in ihrem Büro und dann sagt sie: „Jetzt gehen wir unterrichten“. „Was heißt: wir?“, frage ich.

Wenig später stehe ich vor einem Kurs mit etwa dreißig Studenten aus der ganzen Welt und spreche über die Medien in Europa, zeige ihnen die Homepage von cafebabel.com (auch EUrotik und die Slideshow von Komikazen, die richtig Eindruck macht). Das Publikum ist ebenso interessiert wie interessant: Amerikaner, Asiaten, Europäer, ...

Danach beginnt die Professorin mit dem eigentlichen Unterricht: Es geht um die Tendenzen in der Kulturpolitik in den USA, in Frankreich, Deutschland und Großbritannien. Das Beispiel USA erweist sich als besonders aufschlussreich im Vergleich zur europäischen Union: Auch für die Schule von Chicago stellte sich die Frage nach dem Gemeinschaftsgefühl in einem mulitikulturellen Land. Eine Antwort geben die Massenmedien. Kommt euch das bekannt vor?

Das Merchandising ist übrigens genial: Und das T-Shirt der ersten amerikanischen Universität, an der cafebabel.com auf dem Lehrplans steht, musste ich natürlich haben!

Monday, October 29 2007

Washington ist das Brüssel der USA: Aber hier ist auch der Schleier willkommen

570.000 Einwohner, überschaubar, ruhig und trotzdem eine Weltstadt: Washington erinnert an Brüssel, die (Provinz-)Hauptstadt der vereinigten Staaten von Europa. Wie die USA hat es seine Institutionen in einer eher unspektakulären Stadt versammelt.





Doch schon bei der Ankunft am Flughafen wird mir klar, dass ich nicht in Europa bin, schon, weil ich über eine Stunde anstehe (Es lebe Schengen!), aber auch, weil dort ein Plakat mit der Aufschrift WELCOME die Immigranten eigens willkommen heißt. Könnt ihr euch dieses Bild in Paris (wo der Schleier in den Schulen verboten ist), in Berlin oder in Rom vorstellen? Ich habe den Eindruck – und mein einheimischer Begleiter bestätigt mir das – dass man in den USA zumindest freundlicher begrüßt wird.

Foto: Greg Gorman
Für die, die es interessiert: Hier einige Fotos.