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eurogeneration

Das Europa einer neuen Generation

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30

03

2008

Die Post-Erasmus-Depression: Wer sie kennt, wird sie zu vermeiden wissen

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In dieser Woche steht Eurogeneration Rede und Antwort in der Radiosendung „In Europa“ auf Radio Uno. In dem Gespräch mit Tiziana Di Simone geht es um die Post-Erasmus-Depression, zu der wir schon mehrere Beiträge veröffentlicht haben, nämlich:

Außerdem will ich Euch hier auf eine Reportage von Prune Antoine hinweisen, meiner französischen Kollegin – Kommentare sind, wie immer, erwünscht!

Das Post-Erasmus-Syndrom: Droht die Depression?

Erasmus = Party + Flirts non stop, und das alles in einem anderen Land. Doch wieder ‚zu Hause‘ verfallen viele Studenten in eine Art Depression, eine Mischung aus Nostalgie und Apathie. Heißt das, die Zeit der Unschuld ist vorbei?

„Wer kennt das nicht, nach dem Ende der Erasmuszeit, dass einem das Leben zu Hause trist, die Heimatstadt hässlich, die Uni langweilig, das Fernsehprogramm öde und selbst die Freunde nervig erscheinen?“ So sagt Fiorella de Nicola, die ihre Abschlussarbeit im Fach Soziologie zur Anthropologie des Erasmusstudenten verfasst hat. Was sie über das „Post-Erasmus-Syndrom“ herausgefunden hat, spricht für sich.

Schwierige Landung

„Das Auslandsjahr ist eine sehr intensive Zeit, voller neuer Erfahrungen und Begegnungen, und gibt einem das Gefühl, ein bisschen „besonders“ zu sein“, so erklärt Aurélie aus Orléans, die längere Zeit in Newcastle gelebt hat. „Wieder zu Hause sieht alles viel zu einfach und langweilig aus, es fehlt das Neue, das einen die gesamte Erasmuszeit über begleitet hat.“ Juliane, die zum Sprachenstudium in Glasgow gewesen ist, ergänzt: „Wir kommen zurück und alles ist genau gleichgeblieben. Aber wir haben uns komplett verändet.“

Im Jahr 2007 kann das Erasmusprogramm, das bekannteste Austauschprogramm für Studenten in der EU, auf zwanzig erfolgreiche Jahre zurückblicken. Eineinhalb Millionen Studenten sind losgezogen in ein anderes Land, die teilnehmenden Universitäten finden sich in allen Ecken und Enden des Kontinents und endlich funktioniert auch die Anrechnung der Studienleistungen innerhalb Europas. Ein einziger, eher negative Aspekt taucht in der offiziellen Statistik jedoch nicht auf: Ist die „Zeit der Wunder“ einmal vorbei, fällt ein Großteil der Studenten in ein emotionales Loch. So mancher entzweit sich mit den Freunden von damals, weil diese die Erfahrungen oder auch das idealisierte Bild des jeweils anderen Landes nicht teilen können oder wollen. Diese Schwierigkeiten, wieder im Alltag zu landen, nach einem Jahr dolce vita zwischen Fiesta und Wodka, führen in einzelnen Fällen zu ernstzunehmenden Depressionen.

„Wegfahren ist leichter als zurückkehren“

„Erasmus stellt heute eine Art Initiationsritus dar,“ bestätigt Christophe Allanic, klinischer Psychologe und Spezialist für Auslandserfahrungen. „Die Heimatstadt und die Eltern zu verlassen und sich in einer fremden Umgebung, mit anderen, zurechtfinden zu müssen, ist eine Probe“. Und wenn man diese bestanden hat, steht mit der Rückkehr eine weitere bevor. „Wegzufahern ist wesentlich leichter als zurückzukehren“, warnt Allanic.

„Wer einmal unabhängig war, kehrt nicht so leicht ins Nest zurück“, sagt Domenico, 28 Jahre, Präsident der Studentenorganisation „Planeterasmus“. „Am schlimmsten ist es für diejenigen, die in einer kleinen Stadt leben und vorher noch nie weg von Zuhause waren“, fügt er hinzu. Dann ist erst einmal Schluss mit „Tiramisù-, Tortilla- und Quiche-Lorraine-Abenden“, mit alkoholgetränkten Diskussionen auf Polnisch oder Italienisch, mit Wohnen im Stil der Auberge Espagnole!

„Man muss sich wieder an die Normalität gewöhnen“, sagt Mina, 21 Jahre. Das heißt auch, dass die Entschuldigung wegen Sprachschwierigkeiten nicht mehr zählt, dass man eben nicht mehr einfach „anders“ ist, keine exotische Seltenheit mehr, sondern einer wie jeder andere.

Fremd in der Heimat

Werden die Studenten mit dieser deprimierenden Erfahrung alleine gelassen, fühlen sie sich oft fremd in ihrem eigenen Land und manchmal sogar innerhalb ihrer Familie, die die Bedeutung des Auslandsjahres nicht in dem Maße begreifen kann. „Wie soll ich eine so intensive Erfahrung in ein paar Sätzen beschreiben?“ fragt Pauline, 21 Jahre, von denen sie eines in Irland verbracht hat. Unterstützung erhalten viele Studenten von Organisationen für Ex-Erasmus, die „International Partys“ veranstalten oder sich gleich als ‚Euro-Paar‘ zu versuchen. Das alles in der Hoffnung, die goldene Zeit wiederzubeleben. Agnieszka Elzbieta Dabek, die Generalsekretärin des Erasmus Student Network (ESN), bestätigt: „Viele ehemalige Erasmus melden sich bei uns, um ihre Erfahrungen weiterzugeben oder internationale Treffen zu veranstalten. Sie versuchen damit, ihr persönliches Erasmusgefühl am Leben zu erhalten“. Domenico hält es für „illusorisch“, hier auf Gemeinsamkeiten zwischen Ex-Erasmus und Erasmus-Neulingen zu spekulieren. „Am Ende bleiben die ausländischen Teilnehmer in ihrer eigenen Gruppe, anstatt sich mit den Einheimischen auszutauschen.“

Trotzdem ist diese Art der „Trauerarbeit“, zwischen Depression und Idealisierung „absolut normal“, meint Allanic. Zumindest wenn sie nicht länger als einige Wochen dauert. In Wirklichkeit zeigen diese sentimentalen Phasen den Übergang ins Erwachsenenleben an und damit den Verlust eines kindlichen Ideals. „Alles ist darauf ausgerichtet, die jungen Menschen in Europa zu einem Auslandsaufenthalt zu ermutigen, das ist bestens organisiert. Aber an das „Danach“ hat keiner gedacht“, kritisiert Allanic. Hier sind die Universitäten gefragt: Sie sollen sich um die Rückkehr ihrer Studenten kümmern, sie auch in diesen Übergangsphasen begleiten, „ohne die die Erfahrung auch in einer Katastrophe enden kann. Schließlich sind es die Erwachsenen, die den Jungen beim Erwachsenwerden helfen sollen.“

18

03

2008

Gordon Brown: so vorsintflutlich wie die englischen Steckdosen!

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Der 5. März war ein besonderer Tag: Ich habe ihn in London verbracht – London zur Zeit Gordon Browns des Ersten. Kurz zuvor hatte dieser in einer hitzigen Debatte im Parlament das von Blair angekündigte Referendum über die Europäische Verfassung abgelehnt, weil sie nun als Lissabon-Vertrag firmiert. Bekanntlich unterscheidet dieser sich nicht wesentlich vom alten Verfassungsvorschlag, aber die New Labour – und mit ihr die autistisch veranlagten politischen Eliten des Alten Kontinents – bestätigt hier nur die Linie der Euroskeptiker.


Aber der 5. März war trotzdem ein schöner sonniger Tag. Ich mache also einen Spaziergang vom Bahnhof St. Pancras zur Old Street. Hier links ein Graffiti am Trafalgar Square, mit Big Ben im Hintergrund.











Besonders auffällig: Die Engländer scheinen das Licht nicht gewöhnt zu sein, die italienischen Turistinnen haben bereits die unvermeidliche Sonnenbrille ausgepackt.

Ich treffe einen alten Studienfreund und echten Babelianer der Eurogeneration, Alberto, der eine Community für Unternehmen im sozialen Interesse leitet. Chapeau! Als ich ihm cafebabel.com vorführen will, scheitert das – wie so oft – an den englischen Steckdosen. Immer diese vorsintflutlichen Kommunikationsbarrieren!


Später bin ich mit Annette aus der Londoner Lokalredaktion von cafebabel.com verabredet, die auch Mitveranstalterin der Diskussionsrunde an der London School of Economics ist, an der ich teilnehmen werde: „Neue Medien und Demokratie in Europa“. Bei einem Abstecher in den Supermarkt stelle ich fest, dass die Preise in London weit niediger sind als zu Zeiten vor der Einführung des Euro in Italien, als ich nach dem Abitur zwei Monate in England war. Aber wahrscheinlich sind die Preise bei uns einfach gestiegen.

Ich erinnere mich an einen wunderbaren Abend aus dieser Zeit, an dem ich mit meinem Kumpel Luca, einem schottischen Yuppie und einer Reihe Passanten Musik genau vor diesem Geschäft in Covent Garden Musik gemacht habe. Heute heißt es kurioserweise „French connection“.

In Covent Garden, in Neal‘s Yard, gibt es ein Lokal, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Dort treffe ich Zsofia, eine Ungarin, die am College of Europe studiert hat und nun als Pressereferentin des European Council on Foreign Relations arbeitet, ein neues Studienzentrum, das von George Soros gesponsort wird und als „erster paneuropäischen Think-Tank“ bezeichnet wird.


In einer Seitenstraße von Neal‘s Yard finde ich diesen schönen Satz, der meiner Reise ein bisschen Magie verleiht: „Lebe das Leben, wie du es dir erträumt hast“.

Nicht entgehen lassen solltet Ihr Euch diesen sympathischen Gelegenheitsphilosophen.





Nach der Diskussion, in der mich vor allem Andreas, der Autor des Euroblog Kosmopolit, sehr beeindruckt, verlagern wir uns in den Pub und danach zu Annette nach Hause, wo ich einen Schnappschuss von ihrem Nachttisch mache: vier Bücher in vier verschiedenen Sprachen. Tja, so gehört sich das für die Babelianer.


Am nächsten Morgen treffe ich in der Nähe des neuen Bahnhofs von St. Pancras, von wo mein Eurostar nach Paris startet, noch auf diese skurrile Person. Ein letzter Gruß aus swinging London.

01

03

2008

Erasmus in Budapest: Tipps und Tricks

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Eurogeneration präsentiert: den „Erasmus City-Guide“! In unserer neuen Reihe zeigen wir Euch die schönsten Städte Europas – aus der Perspektive derer, die sie als Erasmusstudenten kennen gelernt haben. Ihre Darstellung erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie soll mehr ein kurzer Erfahrungsbericht sein, den Ihr kommentieren oder ergänzen könnt.

Diese Woche zeigt uns Roberto Yanguas sein Budapest, wo er vor zwei Jahren sein Erasmusjahr verbracht hat.

Wohnungssuche: Wohnungsvermittlung

Wenn man die Sprache nicht kann, ist das wahrscheinlich das größte Problem. Da es in Budapest selbst nur wenige Studentenwohnheime gibt, sollte man sich hier an eine Wohnungsvermittlung wenden.

Budapest besteht aus den Stadteilen Buda und Pest, die in mehrere Bezirke unterteilt sind. Ich wohne im sechsten Bezirk, der neben dem fünften und dem siebten zum Wohnen am besten ist. Der achte Bezirk ist gefährlich, den sollte man meiden. Überhaupt gilt: Wenn Ihr als Erasmus da seid, ist Pest besser als Buda.

An der Universität: Nur nicht zuviel studieren

Ich habe Jura studiert, an der Peter Pazmany University. Die Kurse wurden alle auf Englisch gehalten, wobei die Profs die Sprache unterschiedlich gut beherrschen. Wer als Erasmusstudent nicht unbedingt viel studieren will, ist hier gut aufgehoben: Meistens muss man nur eine kleine schriftliche Arbeit abgeben. Prüfungen gibt es fast gar nicht – ich habe gerade mal eine gemacht.

Die Sporthallen sind geschlossen, aber bei schönem Wetter kann man auf Margherite Island gut draußen kicken.

Die drei besten Adressen

Ein Bier mit Freunden im Szimpla (mein Lieblingslokal). Man kann es schlecht beschreiben ... Es ist dekadent, alt und schmutzig – aber mir gefällt‘s.

Zur Erholung in die Therme von Szechenyi. Einen ganzen Tag lang Sauna, Whirlpool und Dampfbad für 8 EUR. Danach fühlt man sich wie neu geboren!

Nicht verpassen: Ristorante Paprika (in der Nähe von Szechenyi) oder Stex Haza. Ich empfehle Gulaschsuppe und Hühnerbrust mit drei Sorten Käse. Oder eben Schweinekotelett Carpatian style. Unglaublich lecker!

Abends: Tischfußball und eine Verabredung mit der Polizei

Die Erasmusstudenten gehen immer in Morrison‘s Pub in der Nähe der Oper - dort ist Mittwochs Karaoke, das lieben die Ungarn - oder ins Old Man‘s Pub (in der Nähe der Erszebet körut und vom Szimpla). Dann gibt es noch das Szoda, das Sark, ... Passt auf Eure Klamotten auf: Die verschwinden manchmal auf mysteriöse Weise.

Die Erasmuspartys finden meistens zuhause statt. Am besten ruft man vor der Party bei der Polizei an und gibt Bescheid. Dann haben die Nachbarn später nichts zu sagen: War alles angemeldet.

Die Ungarn sind verrückt auf Tischfußball: Einfach eine Münze auf den Tisch legen und warten, bis Du dran bist. Der Gewinner bleibt übrig.

Mit Drogen muss man aufpassen, das gibt Probleme mit der Polizei. Gilt für Kokain wie auch für Haschisch.

Fazit

Eine großartige Erfahrung, die ich auf jeden Fall empfehlen kann!


Kennst Du Budapest anders? Oder hast Du eine Frage an Roberto? Wer will, kann auch einen Blick auf den Budapest-Babelblog werfen. In der nächsten Woche geht es nach Portsmouth, England.

11

02

2008

Mark Lenders, Wau wau und die Küsschen

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Die Frage des Tages: Wenn sich Babelianer im Ausland über sogenannte „kulturelle“ Differenzen austauschen – welche sind ihre Lieblingsthemen? Hier die Top Five der beliebtesten Sujets – nicht ohne eine Prise Selbstironie, versteht sich:

1. Zeichentrickfilme

Aus der Reihe: „Japan vereint Europa“. „Holly e Benji“ in Italien, in Frankreich bekannt als „Olive et Tom“, in Deutschland einfach „Die tollen Fußballstars“ – Fußball und kein Ende. Das aufregende Auf und Ab während des Spiels. Die Derrick-Zwillinge mit ihren Hasenzähnen. Mark Lenders mit den aufgekrempelten Ärmeln als ‚Retter der Gerechten‘. Ach ja, wie war es schön...

2. Tiergeräusche

Es ist doch immer wieder amüsant, festzustellen, dass der Hund in Deutschland „Wau, wau!“ und in Frankreich „Ouaf, ouaf!“ macht.

3. Begrüßungsrituale

Die Franzosen geben sich Küsschen, aber nur jeweils Frauen untereinander und die Männer untereinander. Bei Italiener wird hingegen nur ‚geküsst‘, wenn man sich kennt, und dann erst links und dann rechts (Verwechslungen führen da immer wieder zu peinlichen ‚Zusammenstößen‘ ...). In Genf sind es immer drei Küsschen. In Deutschland tut es meist auch ein kumpelhafter Schlag auf die Schulter...

4. Wann wird gegessen?

Die Spanier essen erst um drei zu Mittag. Die Mailänder um halb eins. Die Neapolitaner um zwei.

5. Regierungssysteme

Kann sein, dass du als Spanier die diversen (Un-)Abhängigkeitsverhältnisse im Parlament selbst nicht ganz durchschaust. Kann sein, dass du als Franzose die „Demonarchie“ mit ihrem „Präsendentenkönig“ als nationale Spezialität erkennen musst. Kann sein, dass während deines Erasmusjahrs zuhause die „Kise“ anbricht und du dich auf einmal für das Parteienchaos und den Auftritt von Clemente Mastella verantworten sollst.

Immer dasselbe? Kann schon sein. Aber wer lässt sich schon den Spaß entgehen, mit dem Rest Guinness auf den Lippen von Mark Lenders zu schwärmen und dabei die Reihenfolge der Küsschen zu verwechseln?

03

02

2008

Fünf Lektionen für die Erasmusstudenten von morgen

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Viele Tausend Studentinnen und Studenten aus ganz Europa sind wieder zu neuen Ufern aufgebrochen: in eine andere Stadt in einem anderen Land, wo sie ein Erasmus-Semester verbringen werden. Eurogeneration gibt ihnen – oder Euch! – ein paar Tipps mit, damit dieser Aufenhalt nicht nur erfolgreich, sondern auch unvergesslich sein wird! (So wie mein Erasmus-Jahr in Strasburg - wo wir uns die Lektionen der Firma Aubade auch nicht haben entgehen lassen.)

Erste Lektion

Integriert Euch...

In Rom nannte man sie die spanische Mafia. Gemeint waren diese Horden von Spaniern, die am Samstag Abend durch die Stadt irren und nie eine Kneipe finden, in die alle hineinpassen. Meist endete das Ganze in einem altbekannten Botellón – es gibt Tortilla und am Ende liegen alle mit vollem Bauch in der Ecke. Ich kenne mich da aus, denn ich war einmal als einziger Italiener mit einer dieser Gruppen im Rom unterwegs. Bitte, Leute, so nicht. Auch die Italiener, stolz wie sie sind auf die Fettuccine della Mamma, neigen übrigens zum Tortilla-Syndrom.

Um die Leute vor Ort kennenzulernen

  • sucht Euch eine Wohnung, die Ihr mit einheimischen Studenten teilt,
  • geht zum Uni-Sport
  • oder eben an die Uni...

Zweite Lektion

... behaltet ruhig Euren Akzent.

Integration heißt nicht: Assimilation. Ihr müsst die Landessprache nicht akzentfrei beherrschen. Übertriebene Anpassung wirkt oft sogar lächerlich. Meistens merkt man ja doch gleich, wo Ihr herkommt. Ein bisschen Exotik ist schließlich interessant. Organisiert ein Abendessen und führt den Anderen Eure heimische Küche vor. Bringt Eure Musik mit (Ihr müsst ja nicht vorsingen...). Und so weiter.

Dritte Lektion

Vorurteile sind Nachteile

Seid vorsichtig mit Stereotypen: sowohl was Eure Heimat als auch was die Stadt angeht, in der Ihr zu Gast seid. Die meisten Vorurteile lassen sich vor Ort relativieren. Und Achtung: Eine bestimmte Stadt ist nicht repräsentativ für das ganze Land – wenn Ihr in Paris seid, kennt Ihr vielleicht Paris, aber nicht gleich ganz Frankreich. In Korsika oder in den Pyrenäen sieht es anders aus. Und als Erasmus-Student ist es nochmal anders. Was für paradiesisch scheint, kann für die Einheimischen die Hölle sein. Also hütet Euch vor den üblichen Sprüchen, die Leute nach vermeintlichen Kochkünsten ('Nicht mal Pasta können sie machen') oder sehr allgemeinen Charaktereigenschaften ('Die sind alle kühl und nordisch - oder eben zu heißblütig') zu klassifizieren suchen.

Vierte Lektion

Werdet aktiv – auch außerhalb der Uni!

Du interessierst Dich für Journalismus? Vielleicht gibt es vor Ort eine Studentenzeitung, an der Du mitarbeiten kannst! Oder willst Du lieber etwas im sozialen Bereich machen? Da gibt es in jeder Stadt eine Menge Möglichkeiten, aktiv zu werden! Viele neue Bekanntschaften, die Sprachpraxis, das alles bekommt man auch auf den Erasmus-Partys. Aber hier habt Ihr die Chance, etwas Neues, Eigenes aufzubauen. Ihr wisst ja, auch cafebabel.com ist so eine Erasmus-Idee!

Fünfte Lektion

Nicht im Kopf „zu Hause“ bleiben!

Oft beginnt der Erasmus-Aufenthalt mit Heimweh. Das wird nicht besser, wenn Ihr alle zwei Monate „nach Hause“ fahrt (bald werdet Ihr nicht einmal mehr genau wissen, wo das ist), dreimal am Tag dort anruft (dabei können die Daheimgebliebenen mit Euren enthusiastischen Erzählungen wenig anfangen) und mental immer „online“ sein, anstatt „abwesend“. Stürzt Euch in das neue Abenteuer – nur so könnt Ihr es voll auskosten!

12

01

2008

Der Pizzabäcker und sein Pass oder: Die Mission der E-Migranten

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Seit 1970 arbeitet Massimo in Paris als Pizzabäcker. Damals musste er noch jedes Mal seinen Pass vorlegen, wenn er zwischen Italien und Frankreich hin- und herfuhr. Genauer: um ein- und wieder auszureisen. Denn das war immer eine aufwändige Sache, nicht so wie heute. Für Massimo aber scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. „Nach Neapel? Da fahre ich alle zwei oder drei Jahre mal wieder hin. Aber länger als eine Woche halte ich es da nicht aus. Das letzte Mal habe ich niemanden mehr getroffen, alle Straßen in den Quartieri Spagnoli waren verwaist. Dann habe ich gehört, dass sie alle verhaftet worden sind.“

Das mag ein eher extremer Fall sein, aber dennoch: Für viele Einwanderer und Gastarbeiter scheint es, als hätte es Reisefreiheit, Schengen, der Euro, Billigflüge, Hochgeschwindigkeitszüge, Skype – also etwa zwanzig Jahre Eurevolution und Globalisierung – überhaupt nicht gegeben. Dass jemand, ob aus Lust und Laune oder aus Notwendigkeit, einfach woanders hinzieht, spontan verreist oder sich auf die E-Migration beschränkt, damit können sie nichts anfangen. E-Migranten, ja, das passt auf uns: Heute, wo das „e“ zur „E-Mail“ passt und das lateinische „ex“ in Vergessenheit geraten lässt.

Aber zurück zu Massimo. Während er, ganz traditionell, seine Pizza zubereitet (auch wenn die Mozzarella aus Frankreich kommt), trällert er neapolitanische Schlager aus den Fünfziger Jahren – und das mit der herzerweichenden Leidenschaft einer Laura Pausini zu ihren besten Zeiten („Marco se n‘è andato...“) sowie eines Eros Ramazzotti mit dem unvermeidlichen Dauerschnupfen („Ed ho imparaaatoo che nella vitaaaa...“). Trotzdem schleicht sich ab und zu ein französisches Wort dazwischen und es entsteht ein Gemisch, ähnlich dem wenig appetitlichen seiner geschmacklosen Tomatenpampe mit den traurigen, essigtriefenden Artischocken, die er eben aus einer Schachtel aus Wer-weiß-wo fischt. Zu Weihnachten hat mir mein Vater ein italienisches Wörterbuch geschenkt, weil er der Meinung ist, ich hätte mein Italienisch verlernt. Dabei macht er Fehler, die weit gravierender sind die von uns E-Migranten – aus Rache dafür lade ich dich bei deinem nächsten Besuch zu Chez Massimò ein, Papa.

Und wenn Massimo mal in der community von cafebabel.com vorbeischauen würde oder auf corriere.it? Wenn er das Festival von Sanremo verfolgen würde (auch wenn das eine ziemlich deprimierende Angelegenheit ist) oder sich wenigstens einen Wochenendtrip nach Venedig leistet, damit er Italien einmal von einer anderen Seite sieht? Wäre das nichts? Wenn alle Gastarbeiter – auch die Spanier in Frankreich, die Portugiesen oder die Türken in Deutschland – sich der europäischen Dimension ihrer Existenz bewusst würden, könnte die Eurogeneration einen wichtigen Verbündeten gewinnen für ihre Mission: einen modus pensandi von europäischem, ja babelischem Ausmaß durchzusetzen.

Also, liebe Leser von Eurogeneration, liebe E- und Ex-Migranten, wenn ihr das nächste Mal jemanden wie Massimo trefft: Erklärt ihm, dass die Welt sich verändert hat und dass eine bunte Mischung besser schmeckt als der alte Einheitsbrei.

P.S. Da fällt mir wieder ein ganz anderer Pizzabäcker ein...

Anmerkung: Die Namen Massimo und Chez Massimò habe ich erfunden.

Fotos: Veronica ArtMusic

09

01

2008

Napolistan

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Nach dem Mord an Benazir Bhutto nennt The Economist Pakistan den gefährlichsten Ort der Welt. Aber mit seinen 115.000 Tonnen Müll, die unter freiem Himmel lagern, den wiederholten Zusammenstößen der Polizei mit verschiedenen Kriminellen, seinen Politikern unter Korruptionsverdacht könnte es ebensogut Neapel sein. Wie konnte es soweit kommen? Und wer ist dafür verantwortlich? Wie werden die anderen europäischen Länder mit ihrem Müllproblem fertig? Und wieso schafft Neapel das nicht? Eurogeneration und cafebabel.com eröffnen dazu jetzt die Diskussion – und zwar mit einer Provokation. Uns reicht es nämlich, uns Ex-Neapolitanern, E-Migranten und Babelianern.

Wie wir trotzdem die nötige Ironie nicht verlieren, zeigt uns Giulio Finotti in einem Video, das er für Beppe Grillo produziert hat. So sieht‘s aus, in Neapel.

Bearbeitung des Economist-Titelblatts von Cédric Audinot.

15

12

2007

Depression in Italien? Die New York Times hat recht

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Natürlich hat unser besonders "n(e)apolitanischer" Präsident - Giorgio Napolitano - bei seinem Amerikabesuch versucht, das düstere Bild, das die New York Times von seinem Bel Paese gezeichnet hatte, ein wenig aufzubessern. "Italien ist ein starkes Land, auf das man auf jeden Fall zählen kann. Man muss vielleicht nicht übermäßig optimistisch sein - aber, was die New York Times in ihrem Artikel verbreitet, ist reine Sensationshascherei."

Was behauptet denn die New York Times? Zumindest hat sie nichts dazu erfunden: Dass Italien über kurz oder lang von Spanien überholt wird, was das Bruttoinlandsprodukt angeht. Dass 11% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze lebt. Dass die beiden Enthüllungsbücher, La Casta und Gomorrha (siehe unser Interview mit Roberto Saviano), ein zutreffendes Bild der aktuellen Misstände zeichnen. Und dass die Italiener in ganz Westeuropa das unzufriedenste Land sind, wie eine Erhebung der Universität Cambridge bestätigt - durchgeführt hat sie ein Italienerin, Luisa Corrado.

Daneben spricht das Blatt vom Times Square (auf dem Foto ein Blick in das Büro von David Mc Craw, einem der stellvertretenden Chefs) ein Thema an, das speziell die Eurogeneration betrifft: Es gibt ganz klare Generationenunterschiede. Im Artikel wird der Blogger Mario Adinolfi zitiert: "Hier in Italien wäre es undenkbar, dass ein paar Dreißigjährige in einer Garage ein Projekt wie Google aufziehen." Dabei müssen wir Adinolfi korrigieren: Larry Page und Sergei Brin waren gerade mal um die Zwanzig, als sie die erste Suchmaschine der Welt aus der Taufe hoben. Und es sind gerade die Jungen - "die gut ausgebildeten, die viel reisen und sich im Internet auskennen" - die den Wechsel einleiten könnten, von dem der Autor des Artikels spricht, "aber nur, wenn sie die Generation, die heute an der Macht ist, ablösen." Viele von diesen jungen Leuten verlassen aber - immer noch - lieber gleich das Land. Da sollte Napolitano der Realität ins Auge sehen: Italien entwickelt sich mehr zurück als nach vorn. Die Umfragewerte, die der Corriere della Sera veröffentlicht hat, bestätigen das: Über 90% der Italiener stimmen dem Bericht aus den New York Times zu. Reine Sensationshascherei, sagt der Präsident dazu.


14

12

2007

Ab 2008 heißt es: Ade Schreibmaschine!

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Es klingt beinahe surreal. Als Monica, eine Babelianerin, die hier in der Redaktion mitgearbeitet hat, mir das im Sommer erzählt hat, habe ich ihr nicht geglaubt: Wer in Italien das staatliche Examen für Journalisten machen will, schreibt dies – so bestimmt das noch aus faschistischen Zeiten stammende Pressegesetz – auf der Schreibmaschine. Genau, auf diesem lärmigen alten Ding, das ohnehin nur noch schwer aufzutreiben ist.

Nun hat der Ausschuss für kulturelle Angelegenheiten im Parlament einen Gesetzesvorschlag von Pino Pisicchio, der eigentlich dem Justizausschuss vorsteht, angenommen, der die Schreibmaschinenvorschrift abschafft und Computer für die Prüfungen einführt. Willkommen im digitalen Zeitalter!

Auf diese erfreuliche Neuigkeit hin könnten wir doch auch gleich die Journalistenkammer abschaffen. Kürzlich habe ich an einer Sendung auf France Inter teilgenommen, Traneuropéenne, und als die Rede auf die Akkreditierungen kam, fiel auf, dass es Journalistenkammern nur noch Italien und in Portugal gibt. Und jetzt, wo auch das Symbol für den altmodischen angestaubten Journalismus abgeschafft wird, wozu brauchen wir da noch die Kammer?

Foto: Mark_66it

08

12

2007

Der Fall Meredith: Schluss mit der Anti-Erasmus-Propaganda!

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Eine Warnung an alle Surfer: Erasmus ist gefährlich, kann zu Depressionen und in Einzelfällen auch zu Selbstmord führen. Zu diesem Urteil kommt Ilvo Diamanti in der italienischen Tageszeitung La Repubblica; er wird darin von Eugenio Scalfari in der Zeitschrift L‘Espresso unterstützt. Die Subkultur der „staatenlosen Jugend“ sei für den Mord an der englischen Austauschstudentin Meredith verantwortlich, der Anfang November in Perugia geschehen ist.

Für Diamanti ist die umbrische Provinzhauptstadt ein herausragendes Beispiel dafür, wie italienische Städte durch Erasmushorden entstellt werden und sich zu Un-Orten ohne „Recht, Ordnung und Autorität“ entwickeln. „In den Universitätsstädten [...] sind die Studenten nur auf der Durchreise. Sie haben keinen Bezug zur Stadt. Und sie haben auch nicht vor, dort den Rest ihres Lebens zu verbringen. Sie zahlen hohe Mieten für ein WG-Zimmer, das ihnen kein Zuhause sein kann.“

Ob sich Diamanti im Klaren darüber ist, wie viele Studenten nach ihrem Erasmusaufenthalt wieder dorthin zurückkehren, wo sie das schönste Jahr ihres Lebens verbracht haben? Die oft sogar, wie ich, dort Arbeit finden, heiraten und sich eine Zukunft aufbauen, die ihnen Italien – wo die Zukunftsaussichten deprimierend sind – nicht bieten kann?

Aber Diamanti geht noch weiter: Die „staatenlosen“ Studenten verfügen über „keinerlei soziale Bindungen. Weder sind sie als Gesellschaft noch als Gemeinschaft zu betrachten. Sie bewegen sich in einem Netz oberflächlicher und meist nur kurzzeitiger Beziehungen. Eng aber unverbindlich.“

Das ist nun wirklich die Höhe, lieber, verehrter Herr Diamanti! Als ob Sie nicht wüssten, dass dank des Erasmusprogramms – 1,5 Millionen Studenten seit 1987 – eine Vielzahl dauerhafter Freundschaften, echter Liebesbeziehungen und sogar Familienplanungen entstanden sind (Fragen Sie meine Frau, eine Französin, die ich an der Luiss in Rom kennengelernt habe). Durch Erasmus haben die Studenten endlich eine Chance, über den Tellerrand zu schauen, zu lernen, sich in anderen Sprachen zu verständigen und – auch wenn Sie das Gegenteil behaupten – sich in einem fremden Land zuhause zu fühlen.

Wenn unter 1,5 Millionen Menschen eine Person einem Mord zum Opfer fällt, muss man nicht gleich die größte Bereicherung des heutigen Studentenlebens mit dem Bann belegen. Das zeigt uns nur, dass Erasmus mittlerweile eine weit verbreitete Erfahrung ist, die – und das ist eigentlich gut so – immer mehr Menschen teilen können. Von nationalen Eigenbrötlern und den schönen Zeiten, „als alle immer nur unter sich waren“ will ich nichts mehr hören. Die Welt entwickelt sich weiter et tant mieux.


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27

11

2007

EXKLUSIV: Meru, die Second-Life-Alternative mit europäischem Kennzeichen

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In Italien bist du als Student spätestens mit 27 Jahren jenseits von Gut und Böse. Vladlen Koltun hat schon mit 21 seinen Phd gemacht und lehrt seit drei Jahren Computer Science in Stanford, der "Studierstube" von Silicon Valley, in der auch die Gründer von Google und You Tube die Schulbank gedrückt haben.

Vladlen empfängt uns in seinem Büro auf dem Campus. Zur Zeit arbeitet er an einem Projekt, das sich schlichtweg revolutionär anhört: einem „Second-Life-Killer“, d.h. dem Gegenentwurf zu Second Life, jener virtuellen Community, die aktuell nicht nur mediale Aufmerksamkeit, sondern auch jede Menge Geschäfte anzieht. „Second Life hat ein echtes Problem mit der Skalierung, zu viele gleichzeitige Logins verträgt es nicht. Außerdem ist es nicht sonderlich sicher: Du kannst leicht Unterhaltungen mithören oder in Bereiche vordringen, zu denen du keinen Zugang hast. Mit unserem Projekt werden diese Probleme dann alle Vergangenheit sein.“ Diese Idee der Stabilität suggeriert auch der Name des Projekts: Meru meint im Buddhismus das Rückgrat der Welt, das, was alles zusammenhält.

Prof. Koltun (links - das Foto stammt von der Website, die die Stanforder Forschungsgruppe vorstellt) leitet das Projekt, das von der National Science Foundation und der Alfred P. Sloan Foundation unterstützt werden. Seit Januar 2007 ist eine Virtual World Group am Werk, ein multinationales Team von neun Forschern; sie kommen aus Indien, China und den USA. Und Vladlen? Seine Muttersprache ist Russisch, daneben spricht er fließend Englisch und Hebräisch. „Ich komme aus der Ukraine, die, als ich geboren wurde, noch zur UdSSR gehörte – ein Land und eine Kultur, die verschwunden sind. Deshalb sage ich noch manchmal, ich fühle mich mehr Sowjetbürger als Ukrainer....“ Er lacht: „Nein, im Ernst: Wenn ich mich irgend "etwas fühlen" soll, dann muss ich zugeben: Ich fühle mich als Europäer. Der Alte Kontinent ist für mich viel mehr Heimat als die USA, in denen es praktisch keine ästhetische Tradition gibt. Wenn ich mich hier umschaue, sehe ich nichts, was wirklich schön und liebenswert wäre."

Wahrscheinlich hat es auch damit zu tun, dass Vladlen jetzt an einer "Alternativ-Welt" arbeitet, an seiner virtuellen Realität. Eine erste Version von Meru soll Ende 2008 abgeschlossen sein. „Aber wir müssen aufpassen: Ähnliche Ideen gibt es bereits in dem Roman Snow Crash von Neal Stephenson, der von bestimmten Computerspielen erzählt, mit denen sich die Welt verändern lässt.“ Die wirkliche Welt scheint Vladlen hingegen nicht so sehr zu interessieren: Aus seinem Projekt ein Geschäft zu machen, daran hat er noch nicht gedacht. „Auch das Internet war am Anfang nicht kommerziell gedacht. Und seine ersten Schritte hat es auch hier gemacht, in Stanford, mit dem Projekt Arpanet.“ Wie es damit weiterging, ist ja allgemein bekannt. Kein schlechter Anfang also für den jungen "Sowjetbürger"...

26

11

2007

Post-Amerika-Syndrom

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So, jetzt bin ich also zurück in Paris – die Reise hat Nachwirkungen, allen voran die Zeitverschiebung, aber auch eine Menge neuer Ideen und Eindrücke, die mir im Kopf umher schwirren. Jedenfalls bin ich froh, wieder da zu sein, bei meiner Liebsten und in meinem Büro bei cafebabel.com. Und trotzdem ...

... trotzdem muss ich zugeben, dass mich diese Erfahrung mit stars and stripes stärker geprägt hat als ich erwartet hatte. Das mag für meine Freunde und Kollegen nicht immer angenehm sein... „Hör‘ mir auf mit deinen Amerikageschichten“, hat Prune, meine Kollegin von Eurotik (gibt es mittlerweile auch in English und auf Deutsch), gestern zu mir gesagt.

Aber trotz allem, liebe Babelianer, die ihr mich „On the road 2.0“ begleitet habt, trotz allem fühle ich mich ein bisschen wie nach der Rückkehr aus dem Erasmusjahr. Vielleicht würde eine Psychoanalyse bei Dr. Allanic helfen, von dem Prune erzählt. Oder eine Therapie bei Fiorella. Na ja, so schlimm ist es nicht ...

Statt dessen gibt‘s hier die Berichte der New York-Etappe, von der ich noch nicht viel berichtet habe.


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Im Big Apple habe ich auch Jay Rosen, den Guru des "crowd-sourcing journalism" getroffen: hier gibt's den Bericht.

19

11

2007

USA: I like, I dislike

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Das Land ist so reich und bunt, dass es fast eine exposive Mischung ergibt. Dabei ist es stolz auf das, was es hat und ist und mit einer eisernen, aber modernen Verfassung zu erhalten sucht. Zugleich birgt es Widersprüche, zum Teil brutalster Art. Dennoch verspricht es Herausforderungen, Abenteuer und hinterlässt dem Besucher Fragen, viele Fragen. Das sind die Vereinigten Staaten, wie ich sie gesehen habe. Was mir gut und weniger gut gefallen hat, habe ich hier in einer (nicht ganz ernst gemeinten) Galerie zusammengestellt.


I like

Die Washingtoner U-Bahn: elegant.

 

 

 

 
 

 

Die Tiere in der Stadt: lustig.

 

 

 

 

 

 



Multikulti: wenn alles zusammen passt.

 







                                                                       

Die Fahne: ziemlich rockig.

 

 

 

 

 

 




Offline Werbung für Webseiten: zeitgemäß.

 

 

 


 

 


I dislike

Die New Yorker U-Bahn: eng, schmutzig, "bäh!".

 

 


 

 

                                                               

Kaffee bei Starbucks:
"Roast" soll italienisch sein?

 

 

 

 

 




 

Die Ratten überall: auch in New York ein großes Problem.

 

 

 

 

 

                                                              

Den Countdown an der Ampel: unerträglich. (Genauso die Autos mit Automatikschaltung - jedesmal eine Vollbremsung)

 

 

 

 


 






Unze, Gallone, Meile...: grrrr. Auf dem Foto die Messbecherchen, die Giusy zum Kochen benutzt.

 

 

 

 

 

Was meint ihr? Bin ich zu provinziell? Wie sehen eure amerikanischen Erfahrungen aus?

16

11

2007

Im Herzen von Wikipedia und weitere News aus Florida

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Ich verlasse Tampa in Florida: bereichert durch viele neue außergewöhnliche Erfahrungen.

Wikipedia – eine großartige Sache und das als no-profit-Organisation! Am Freitag traf ich Sandy Ordonez, die Pressesprecherin der Wikimedia Foundation. Von ihr erfahre ich viel Neues über diese beeindruckende Organisation, die die allseits bekannten Webseite Wikipedia verwaltet.

Das muss man sich erst vorstellen: Mit nur zwölf Angestellten verfügen sie über einen Betrag von etwa 1,5 Millionen Dollar, das auch Dank einer Reihe von Individualspenden von im Schnitt 25$. Wie machen die das? Die Grundidee ist so einfach wie universell: Wissen soll jedem und kostenfrei zur Verfügung stehen. Um das zu gewährleisten, sind die freien Mitarbeiter von Wikipedia an jeder Phase des Projekts beteiligt. „Jede einzelne Pressemitteilung, die wir herausgeben“, erklärt Sandy, „wird zuerst in einer Gruppe von fünfzig ausgewählten Mitgliedern von Wikipedia abgestimmt“. Das würde ich mir für cafebabel.com auch so wünschen! „Es ist nicht einfach, immer das richtige Gleichgewicht zu finden zwischen Kompromissbereitschaft und der Notwendigkeit, eine Entscheidung zu treffen.“

Im Eingangsbereich der Wikimedia Foundation: das Büro hat etwa 100 m2, vorne eine Karte mit allen Wikipedia-Logos. Im Januar 2008 wird die Stiftung nach San Francisco umziehen. In der Bucht von Tampa hat auch die Wikia ihren Sitz, die Gesellschaft von Jimmy Wales, dem Gründer von Wikipedia.

 

„Links unsere Fundraising-Strategie. Da hat Wikipedia gerade eine neue Kampagne gestartet. Rechts: Fanpost aus der ganzen Welt.“


St. Petersburg Times – wenn Qualitätsjournalismus in der Lokalpresse beginnt. Hier habe ich Bill Duryea getroffen (links auf dem Foto mit einem Zuckertütchen von cafebabel.com in der Hand). Er ist Redakteur und hat mir ausführlich die Geschichte einer der beliebtesten Lokalzeitungen der Vereinigten Staaten erzählt (siehe auch den Bericht von den New York Times). Die St. Petersburg Times stützt sich auf ein ausgeklügeltes Geschäftsmodell: Zuletzt hat sie eine kostenlose Tageszeitung für Jugendliche und eine Zeitschrift mit Gesundheitstipps für Frauen herausgebracht. Dabei verdankt sie ihr hohes Niveau ihrer besonderen Gewichtung der Lokalnachrichten aus Florida ebenso wie der nationalen und internationalen News.


Poynter Institute – die Kaderschmiede für Nachwuchsjournalisten. Das Poynter ist eine sehr rennomierte Einrichtung, die Ausbildungsmöglichkeiten für Journalisten bietet und sie dabei interessante Recherchen anstellen lässt (siehe dazu die Studie über die Leserperspektiven). Ich habe mich hier mit Bill Mitchell, dem Redakteur von Poynter on-line, und Howard Finberg, dem Redakteur von Newsu.org, unterhalten. Während die eine Webseite aufschlussreiche Diskussionen und Anaysen zum Journalismus sowie Stellenangebote im Bereich der Medien bietet, kann man auf der anderen an einem prima Online-Training für Jungjournalisten teilnehmen. Kostenlos und sehr nützlich.

Noch eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte: morgen muss ich um fünf Uhr aufstehen. Dafür gibts zwei gute: Heute abend war ich bei Giusy eingeladen. Sie stammt aus Sizilien, hat aber auch in Neapel gelebt und hat mich zusammen mit ihrem amerikanischen Freund Chris zu einem after dinner mit kalter Schokolade und Abbracci, einem „Andenken an Italien“ eingeladen (siehe das Foto von Chris). Außerdem fliege ich morgen nach NYC zum letzten Etappenziel meiner USA-Reise. Ich bin völlig erledigt, aber trotzdem sehr froh, dieses fantastische Abenteuer erleben und mit euch teilen zu können. Ihr dürft mir also viel Glück für die letzte Runde wünschen!

13

11

2007

Und in Oakland fragt man sich schon: „Gibt es Italien eigentlich noch?“

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Am 6. November kurz vor halb acht Uhr abends in der Oracle Arena, Oakland, Kalifornien. Gleich beginnt das NBA-Spiel der Golden State Warriors gegen die Cleveland Cavaliers. Ich stehe noch in der Schlange und warte auf etwas, das man hier „Pizza“ nennt. Als ich mit Travelers Cheques bezahlen will, ruft die Bedienung (die mindestens schon achtzig ist) den Chef. Er will meinen Pass sehen.


- Italien? Das ist noch ein eigenes Land?

- Natürlich. Wie kommen Sie darauf?

- Na, ich dachte, jetzt mit dem Euro ist in Europa alles eins.

- Soweit sind wir noch nicht. Aber auf jedem Pass steht, wie hier ganz oben, „Europäische Union“.

- Das heißt, das ist jetzt so ähnlich wie in den Vereinigten Staaten, oder nicht? Das wurde ja auch Zeit ...

- Na ja, aber nur so ähnlich ...


Und bis es soweit ist, wird wohl doch noch eine ganze Weile dauern.


Aber wenn sogar die Pizzabäcker in Oakland sehen, dass Europa zusammenwächst, dann heißt das doch, dass sich etwas tut. Das ist ermutigend. Allerdings ist die gute Laune dann wieder verflogen, weil die Warriors auch das vierte Spiel in Folge verloren und sich langsam im Tabellenkeller einrichten. Vielleicht auch, weil Marco Belinelli, der Spieler aus Italien, pardon: aus der EU, nicht gespielt hat ...

08

11

2007

On the road 2.0 - meine Reise mit google maps

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Hier ein Versuch von mapping journalism mit Kurzberichten über die interessantesten Begegnungen in Washington und in San Francisco. Wie findet ihr das? Wenn euch das gefällt, werde ich die Karte weiterhin aktualisieren. Als nächstes geht es nach Tampa und nach New York.

Mit "View larger map" lässt sich das Bild vergrößern.


View Larger Map

07

11

2007

Eine Lektion für die Antiamerikaner

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Versuchen wir mal, einige Vorurteile gegen die USA zu widerlegen:



1. Die USA tun nichts für die Umwelt.
Als wir gestern von Berkeley zurückfuhren, durften wir eine eigene Spur benutzen – durch die Raute gekennzeichnet –, weil wir zu zweit im Wagen saßen.



2. Es gibt kaum politische Diskussion.
Ich möchte wissen, in welchem Land die Zeitschriftenauslage so reichhaltig mit Publikationen zu politischen und internationalen Themen ausgestattet ist.



3. Die Amerikaner interessieren sich nicht für den Rest der Welt.
Dann schaut euch mal Global Voices an: Das Beste aus der weltweiten Blogsphäre in mehreren Sprachen. Hier sitze ich mit David Sasaki, der einer der aktivsten Blogger ist.

06

11

2007

Hillary, Ségolène und Veltroni

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Seit letztem Dienstag gehört auch Hillary Clinton zum Club der ‚Para-Politiker‘, wie sie in Europa bereits etabliert sind: Eine der zur Zeit brisantesten Fragen für Amerika, nämlich nach den Rechten der Einwanderer, hat sie mit einem souveränen „ja, nein, vielleicht“ beantwortet. Der Gouverneur von New York hatte vorgeschlagen, auch den Einwanderen ohne Aufenthaltserlaubnis den Führerschein auszustellen, was ihm erhebliche Kritik von Seiten der Republikaner einbrachte. Im Rahmen einer Diskussion mit den drei Kandidaten für die Vorwahlen antwortete Hillary zunächst, sie könne diese Entscheidung Eliot Spitzers „nachvollziehen“. Dann, sichtlich in Bedrängnis geraten, betonte sie, sie habe sich jedoch nicht damit einverstanden erklärt. Schließlich versuchte sie auch das wieder auszubügeln und stellte fest, die Idee es sei doch nicht so schlecht. Dieses Hin und Her erinnert an Ségolène Royal während ihres Wahlkampfes. Die Kandidatin der Sozialisten hatte sich in entscheidenden Fragen, wie etwa der nach dem EU-Beitritt der Türkei, ebenfalls viel zu unentschlossen gezeigt. Zuerst votierte sie für ein Referendum in Frankreich und dann machte sie keine eindeutigen Aussagen. Kürzlich geriet auch Walter Veltroni, der neugewählte Vorsitzende der neuen Demokratischen Partei in Italien, in die Schusslinie einer Satire (von Crozza, siehe Video), weil er sich nicht entscheiden könne. Hillary, Séglène, Walter: Mit ‚Para-Politik‘ gewinnt man vielleicht die Vorwahlen, wie in Frankreich und in Italien, aber um den echten Wahlkampf für sich zu entscheiden, reicht das nicht. Leider wird Madame Royal das Hillary nicht erklären können, denn die Senatorin von New York hat ein Treffen mit der Sarkozy-Herausforderin abgelehnt – sie sei „too radical“.

04

11

2007

Das Geheimnis von Silicon Valley

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In Stanford, im Herzen von Silicon Valley, riecht es nach frisch gemähter Wiese. In diesem Mikrokosmos von 10.000 Menschen, einer richtigen kleinen Stadt mit Geschäften, Pizzerien, Erste Hilfe und Feuerwehr, ist auch das im pseudomittelalterlichen Stil erbaute Kloster mit WLAN ausgestattet: Alles atmet hier den Unternehmergeist der Standford University. Denn das Geheimnis dieses Tempels des Wissens, der schon in den sechziger Jahren Arpanet hervorgebracht, den Vorfahren des Internets, und seit den Neunzigern u.a. die Gründer von Google und You Tube ausgebildet hat, liegt in der engen Verflechtung mit den Unternehmen. Es reicht, eine Runde über den Campus zu drehen: Am schwarzen Brett finden wir Aushänge wie „Google sucht Programmierer“ und die Computerlabors sind von Intel oder Hewlett-Packard gesponsert.

Kein Vergleich zu Europa, wo sich die Zusammenarbeit von Universitäten und Unternehmen auf so genannte Orientierungsangebote beschränkt. Vielleicht mal ein un- oder unterbezahltes Praktikum, aber der Rest ist Vetternwirtschaft. Dabei ist das hier in Kalifornien kein Altruismus: Die Unternehmen investieren in Ideen und Visionen – selbst wenn das bei Projekten, die nicht unbedingt auf Gewinn ausgerichtet sind, ein gewisses Risiko bedeutet. Was zählt, ist die Idee: Das Geschäft kommt später. Auch Google ist ohne eigenes Geschäftsmodell gestartet. Und genauso probiert es jetzt ein Team unter europäischer Leitung, das an einem (noch!) geheimen Projekt arbeitet. Hier versteht man, warum die besten Köpfe abwandern – zu groß ist die Versuchung für viele Franzosen, Russen, Italiener, mit denen ich hier gesprochen habe.

Zurück in San Francisco, das mit Stanford und auch Palo Alto oder Mountain View (der Sitz von Google) über das legendäre Cable Car verbunden ist. In dieser Stadt ist es nicht nur die Erde, die häufig bebt – die Energie, die diese ehemalige Ikone der Hippiekultur mit ihren unkonventionellen Ideen antreibt, zeigt uns vor allem eines: dass hier der Fortschritt gedacht und gemacht wird.


Fotos: Mein Reiseführer und ich vor einem atemberaubenden Panorama. Unten eine Harley im Latinoviertel Mission District in San Francisco.

02

11

2007

Auf dem Lehrplan der American University: cafebabel.com

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Erster Programmpunkt: Ein Treffen an der American University mit Professor Shalini Venturelli, die aus Lucca in Italien stammt und hier die Abteilung für Internationale Kommunikation leitet. Wir unterhalten uns kurz in ihrem Büro und dann sagt sie: „Jetzt gehen wir unterrichten“. „Was heißt: wir?“, frage ich.

Wenig später stehe ich vor einem Kurs mit etwa dreißig Studenten aus der ganzen Welt und spreche über die Medien in Europa, zeige ihnen die Homepage von cafebabel.com (auch EUrotik und die Slideshow von Komikazen, die richtig Eindruck macht). Das Publikum ist ebenso interessiert wie interessant: Amerikaner, Asiaten, Europäer, ...

Danach beginnt die Professorin mit dem eigentlichen Unterricht: Es geht um die Tendenzen in der Kulturpolitik in den USA, in Frankreich, Deutschland und Großbritannien. Das Beispiel USA erweist sich als besonders aufschlussreich im Vergleich zur europäischen Union: Auch für die Schule von Chicago stellte sich die Frage nach dem Gemeinschaftsgefühl in einem mulitikulturellen Land. Eine Antwort geben die Massenmedien. Kommt euch das bekannt vor?

Das Merchandising ist übrigens genial: Und das T-Shirt der ersten amerikanischen Universität, an der cafebabel.com auf dem Lehrplans steht, musste ich natürlich haben!

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